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Am 10.12. fand sich zu unserem traditionellen Weihnachtstasting wieder eine äußerst nette Runde aus teils alten Hasen, teils aber auch Neuen ein. Dank unseres befreundeten Partners MERCEDES AMG wurden die Teilnehmer wie immer sehr charmant, sportlich und sicher „eingeflogen.“ Sowohl der neue E63 Doppelturbo als auch der S63 mit Doppelturbo V8 sind hierfür perfekt prädestiniert. Zwei Fahrzeuge der Sonderklasse, die jedem Freak das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Die vinologische und logistische Unterstützung durch unsere beiden Mitarbeiter Herrn Schreiblehner und Herrn Wachter garantierte wie immer einen perfekten und einwandfreien Ablauf, so auch das Catering unter der kundigen Hand der Firma Prinzipal aus Rosenheim. ¤¤Los ging es mit einigen Flaschen des sich erst am Anfang seiner Reife befindlichen 1990 Dom Ruinart Blanc de Blancs. Was will man mehr, als einen Abend mit schönem Champagner zu beginnen. Dazu gab es Tatar vom Thuna mit roter Beete, Stopfleberparfait mit Feige und dreierlei Bruschetta.

FLIGHT 1¤¤Los ging es mit dem ersten Flight. Drei weiße Bordeaux aus dem Jahrgang 1978 standen zur Verkostung an. Mit Abstand die hellste Farbe hatte 1978 Laville Haut Brion, der sich auch insgesamt am jugendlichsten zeigte und partiell als Wein der 90iger oder gar 2000er Jahre gesehen wurde. Noch spürbare Holznote, feine Sauvignon-Semillon Aromatik, schöne balancierende Säure, leicht im Körper, ein nahezu jugendlich wirkender Wein, der richtig Spaß machte. Deutlich reifer in der Farbe dann Haut Brion blanc. Auch am Gaumen reifer, aber auch fleischiger und mit mehr Druck, trotzdem die Finesse des Laville Haut Brion vermissen lassend. Ähnlicher dem Haut Brion blanc, aber nicht auf dem Niveau der beiden anderen dann Domaine de Chevalier, der von der Papierform eigentlich groß hätte sein müssen. Ein durchaus schöner, reifer, weißer Bordeaux, von etwa einem Drittel der Teilnehmer auch als Favorit gesehen, aber kein großer Wein. Interessant war, dass sich die Stimmen zum Favoriten dieses Flights nahezu gleichmäßig auf alle 3 Weine verteilten. Zum Start gab es einen leichten Salat von der Poulardenbrust mit Avocado und Mango.

FLIGHT 2¤¤Der erste Rotwein kam auf den Tisch und es ging mit einem Vergleich aus dem großen Kalifornien Jahrgang 1987 auch gleich seriös los. Der erste Rotwein, durch den Schafstall (Brettanomyces) in der Nase ganz klar und ausschließlich als Bordeaux identifizierbar, war ein genialer 1987er Phelps Eisele Vineyard. Eisele ist ein Weinberg im nördichen heißen Teil des Napa Valley-Talbodens, der seit 2001 der Familie Araujo gehört, die dort seither unter namensgleichem Label sehr klassische große Cabernets, Syrahs und einen der besten Sauvignon Blancs des Napa Valley vinifizieren. Der berühmte Eisele Vineyard, der seit dem Ende der 60iger Jahre viele grandiose Weine unter mehreren Labels produzierte, war lange Zeit zusammen mit Martha´s Vineyard, dem To-Kalon Vineyard und wenigen anderen Lagen der Inbegriff für „vineyard designated“ Weine. 1987 Opus One, eigentlich immer eine sichere Bank, hatte da das Nachsehen, ebenso wie 1987 Dominus. Beide Weine sehr klassisch, mit schöner Struktur, Frucht und Potential, aber der fehlenden Komplexität und dem Druck des Eisele. Ganz anders der superrare Chabot Vineyard von Beringer, den viele auf Augenhöhe mit dem Phelps Eisele sahen. Der Weinberg liegt am östlich des berühmten Silverado Trails im Napa Valley und machte den Erstlingsjahrgang des 1977 Beringer Private Reserve zu einer Legende (genau den gibt es im Jahr 2012 bei uns zu kaufen!). Hierzu servierten wir gebratene Jakobsmuscheln mit gesüßter Orange.

FLIGHT 3¤¤Nun kam ein wahrhaft schwierig aufzulösender Flight in die Gläser. Den Jahrgang 1977 hat normalerweise niemand auf dem Radar, aber in diesem Jahr wurden neben herausragenden Portweinen auch einige ganz hervorragende Weine weltweit erzeugt, insbesondere in Kalifornien. Dies bestätigte sogleich auch die Magnumflasche des 1977 Phelps Insignia von dem lediglich 1700 Eintelflaschen-Kisten produziert wurden. Ein absolut herausragender Wein, gemacht für viele weitere Jahrzehnte, für den Großteil der Teilnehmer war es dann auch der Winner des Flights, Hedonismus pur! Was dann kam, konnte man nicht erraten. Ein 1977 Chateau Musar aus dem Libanon. Er gilt als einer der größten Jahrgänge dieses Gutes, wenn nicht gar als der größte Jahrgang. Von der Stilistik eher burgundisch, auch in der Fabe heller als der Isnignia und in der Säure präsenter, aber mit einer Exotik und Süße ausgestattet, die betörend und verführerisch ist. Was für ein toller Wein, ein wahrhafter Gaumenschmeichler und Finessenwein und jede Suche wert. Chateau Latour als Premier Cru Referenz aus Bordeaux angestellt, konnte hier nicht mit. Ganz anders aber der Sassicaia, der sich auf Augenhöhe mit Insignia und Musar bewegte. 1977 gilt als der Geheimtip für Sassicaia. Ein grandioser Wein, den man blind unmöglich diesem Gut zuschreiben kann. Wir kennen diesen Wein jetzt seit nahezu 20 Jahren und er ist immer noch auf dem Traumniveau wie in den 90igern, wie übrigens viele Sassicaias dieser Dekade. Saftig gegarter Steinbutt in Rotweinbutter begleitete die Weine.

FLIGHT 4¤¤Der wohl schwierigste Flight des Abends stand an. Die legendären, da - so behauptet - uralt werdenden Monfortinos aus großen Jahren. Genuss im klassischen Sinne boten die beiden älteren Weine dieses Flights sicherlich keinen, einige Probenteilnehmer jedoch sahen es als interessante Erfahrung. Angereiste Freunde aus Südtirol sahen sich jedoch bestätigt. Der Jahrgang 1945 hatte wie der 1958er eine Farbe wie Tee, ein Phänomen, dass man bei alten Baroli des Öfteren hat. Beide Weine hatten Säure und Tannin, aber Frucht, Schmelz und Gefälligkeit, Dinge, die das Weintrinken zum Spaß machen, fehlten. Wobei der 58er sicherlich die Nase vorne hatte. Ganz anders das Paar 1969/1971. 1969 nicht auf dem Niveau des grandiosen 71ers, dem mit Abstand größten Wein des Flights, der zumindest partiell die Reputation dieses Legenden-Italieners rettete. Dieser 71er war wirklich ein grandioser Wein. Da lag ein Anruf bei einem sehr guten Freund mehr als nahe, wohnhaft in den USA und einer der angesehensten Barolo Spezialisten überhaupt. Ich schilderte ihm unseren Fall und er antwortete sofort fachmännisch und beschrieb exakt die Flaschen. Überraschend aber auch für unseren Freund, dass alle Flaschen unseres Tastings, wie servieren jeweils 2 Flaschen pro Wein, absolut deckungsgleich waren. Er berichtete von einem 1937 Giacomo Conterno, den er kürzlich mit Antonio Galloni (Parker Assistent) getrunken hatte, und der den gleichen Farbausfall zeigte. Als jemand, der diese Weine seit mehr als 30 Jahren sammelt, machte der Freund immer wieder die Erfahrung, dass er in ein und derselben Original-Holzkiste Flaschen mit, und andere ohne Farbausfall hat. Seine Vermutung ist, dass es ein Fassthema ist, da früher Fass für Fass abgefüllt wurde. Seine klare Aussage aber war, dass mit dem Farbausfall praktisch der gesamte Charakter des Weines verloren geht. Er meint, dass ein alter Barolo ohne Farbe nur ein Bruchteil dessen ist, was er einmal war. Ein kurioser Zufall war, dass einen Tag nach der Probe eine sehr bekannte Sammlerpersönlichkeit, ein guter Freund unseres Hauses, anrief und von einem tags zuvor getrunkenen 1947 er Monfortino berichtete, der praktisch keine Farbe mehr hatte. Leider war es auch noch der Geburtsjahrgang des Freundes. Überlegt man, wie teuer diese Weine sind, muss man sich den Kauf sicherlich sehr gut überlegen. Der weiße Albatrüffel auf Stampfkartoffeln und Wachteleidotter hätte auf jeden Fall mehr vom 71er verdient.

FLIGHT 5¤¤1968 war ein grandioses Jahr in Kalifornien und in Spanien, was also lag näher, als drei kalifornische Cabernets mit der Spanien-Legende Unico zu vergleichen. Um es vorne weg zu nehmen, der Unico hatte in diesem Flight die Nase vorne, und zwar mit Abstand. Der BV Private Reserve, der eigentlich in diesem Jahrgang zur Top-Elite der Spitzen-Kalifornier zählt, konnte da nicht mit und war der schwächste Wein im Flight. Tchelistcheff, einer der ganz frühen Weinmacher-Legenden des Napa Valley hielt diesen Jahrgang immer für einen seiner größten Weine, die er je vinifizierte. Eine unlängst mit Ann Colgin getrunkene Flasche 1958 BV Private Reserve (Ann Colgins Jahrgang) war auf jeden Fall deutlich größer, das wäre sicherlich einmal ein spannender Sparringspartner für den einen oder anderen 59er Bordeaux. Der 1968 Ridge Cabernet, der letzte Jahrgang, der auf Ridge ohne einen offiziellen Winemaker gemacht wurde und noch deutlich rarer als Montebello aus dem gleichen Jahrgang, war ein schön gealterter kalifornischer Cabernet, hatte aber ebenso deutlich das Nachsehen gegenüber dem Unico. Der Inglenook 1968 hielt seinem Namen nicht ganz Stand. Auch diese Weinlegende hat das klare Nachsehen gegenüber dem Unico und bestätigt die Theorie, dass die 68er und 74er, die für viele Weingüter Jahrhundertjahrgänge waren, nicht zu den Legenden von Inglenook zählen, wir werden mehr hierzu auf unserem Inglenook Tasting in einigen Jahren lernen. Nichtsdestotrotz war der Inglenook ein schön zu trinkender Altwein, der eine schöne Ergänzung zum perfekt gegaarten Hummer mit Erbesenpüree und Kürbis darstellte.

FLIGHT 6¤¤Ein Flight, der auf der Zunge zergeht. Der Vergleich dreier legendärer 47er Bordeaux Van der Meulen Abfüllungen stand an. Und da der 74er Mayacamas Late Harvest die Süße der großen 47er in perfektem Maße kopiert, kam der gleich blind in den Flight mit hinein. Allerdings zeigten die 47er nicht diese opulente Fülle und Süße, wie man sie immer wieder liest und wir auch bereits selbst mehrmals erfahren durften. Alle Flaschen waren deutlich distinguierter und zurückhaltender im Ausdruck. Einer der erfahrenen Teilnehmer hatte nur 2 Wochen zuvor eine analoge Erfahrung mit einer 47er Cheval Blanc Van der Meulen Abfüllung gemacht und erkannte den Wein wieder. Der Cheval blanc zeigte sich als ein schöner, gereifter und femininer Wein, aber eben ohne die Süße und Opulenz, die man sich erwarten würde, trotzdem immer gut für eine Anfang/Mitte-90iger Bewertung. Die Stimmen werden zunehmend lauter, dass 1947 Cheval Blanc den Zenith vor einigen Jahren bereits überschritten hat. Der Petrus dagegen zeigte mehr der opulenten Fülle und Exotik, mit Noten reifer Früchte und Kokos, für einige war es der stärkste Wein der 47er. Der Margaux war in diesem Flight etwas hinter den anderen Weinen, nicht auf dem Niveau des Petrus und Cheval Blanc, zwar auch seriös, aber nicht deutlich über 90 Punkte. Der Sieger des Flights war jedoch der 1974 Mayacamas Late Harvest Zinfandel, ein Traumwein mit für damalige Verhältnisse unglaublichen 16 Prozent Alkohol. Dieser Wein hat noch das unendliche Leben vor sich. Serviert wurde dazu gedämpfter Rehrücken im Crepemantel mit Selleriestampf und einer Dattel-Portsoße.

FLIGHT 7¤¤Das war ein Flight auf den wir uns schon lange gefreut hatten und für einen der Probenteilnehmer der Flight des Jahres (vielen Dank!). Vor uns standen die Champagner Referenzen aus dem Jahrgang 1976, der unter Freaks als absolut herausragender Jahrgang bekannt ist. Immer eine sichere Bank und praktisch in keinem Jahr eine Enttäuschung ist Dom Perignon. Dieser 76er zeigte sich wieder einmal in Bestform, wenn man sich vorstellt, dass hiervon jährlich Millionen Flaschen produziert werden, ist das Qualitätsniveau noch höher anzuerkennen, als ohnehin. Perfekt gereifte Farbe, schön feines Mousseux, Power und Kraft und unendliche Länge. Der Champagner des Flights aber war der Roederer Cristal, der seinem Namen alle Ehre machte und alles noch besser konnte und auch machte als der Dom. Ein Traum-Champagner mit perfekter Balance, feinstem Mousseux, der hellsten Farbe und einem irren, aber enorm filigranen Aromenspektrum. Für die Mehrheit der Champagner des Abends. Der Krug lag auf dem Power Niveau des Dom Perignon, aber wer beklagt sich schon über einen 76er Krug. Auch dieser Wein voller Kraft, Saft und Power und enorm betörend und anmachend. Der mit Abstand schwächste Champagner in diesem Flight war der Taittinger, der auch die reifste Farbe zeigte. Solo getrunken dennoch ein Hochgenuss, im Reigen der anderen 76er hatte er es aber nicht leicht. Unser dieses Mal 48 Monate alter Comte Extra Reserve mit dreierlei getrockneten Nuß-Feigenbrotsorten begleitete die Champagner.

Was will man mehr in einem Wein als vielleicht diesen aus größeren Flaschen? Nun kamen solo zwei Eintelflaschen 1974 Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve. Süße, reife Frucht, Exotik, Tannin und Säure auf Perfektionsniveau, ein unglaublicher Wein voller Sex Appeal, gemacht für noch sehr viele Jahre und ein Kandidat für einen 100 Punkte Wein. Wir sind gespannt, wie sich dieser Wein in unserer diesjährigen umfangreichen 74er Kalifornien Probe schlagen wird, wir haben da unsere Vermutungen... ¤¤¤¤¤¤¤¤¤

Der 1947 Chateau Guiraud machte weder seinem Namen, noch seinem Jahrgang Ehre und konnte den schön und leicht bereiteten Bratapfel im eigenen Sud nicht adäquat unterstützen. Zu oxidativ und zu wenig der schön exotischen Frucht eines reifen alten Sauternes.¤¤Nach getaner Arbeit mit 30 Weinen, nahezu 1000 Gläsern im Einsatz und 8 Gängen gab es nochmals einige Flaschen des 1990 Dom Ruinart, bevor die netten Fahrer unseres Partners MERCEDES AMG die Gäste zurück ins Hotel und am kommenden Tag zurück zum Flughafen brachten.

 

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