Herzlich willkommen bei Unger Weine

2009

Zuerst einmal einen herzlichen Glückwunsch all denjenigen, die den Jahrgang 2008 bei uns subskribiert haben. Freuen Sie sich auf tolle Weine, die Sie zu günstigen Preisen erworben haben, zu Preisen, die Sie so schnell nie wieder sehen werden. Wir hatten im vergangenen Jahr zu Subskription 2008 geschrieben: „…2008 bleibt ein klarer Kauf. Wir sehen den Weinmarkt gerade wieder anspringen, und prognostizieren, dass vergangene Niveaus wieder schneller erreicht werden, als von so manchem prophezeit. Bereits jetzt ziehen die Preise schon wieder an...“ Grundsätzlich bewahrheitete sich einmal mehr, dass man gegen den Trend agieren muß. 2008 war der beste Kauf der Dekade, vielen Dank für Ihr Vertrauen!

 

Zur aktuellen Situation: Der Bordeaux-Weinmarkt der Spitzengüter ist stark wie selten zuvor. Vergessen Sie Presseveröffentlichungen, die über eine große und dramatische Bordeauxkrise berichten. Fußball und Wein sind zwei verschiedene Dinge…! Sicherlich sind kleine Chateaux in einer problematischen Lage, manche agieren am Existenzminimum, viele haben Absatzprobleme. Nehmen Sie aber die Top-200 oder Top-300 Güter, dann herrscht dort absolute Goldgräberstimmung. Die Preise internationaler Auktionshäuser waren noch nie so hoch, die asiatischen Märkte kratzen bereits an der marktbeherrschenden Stellung Nordamerikas, ein Ende der China-Power ist zumindest zur Zeit im Primeurbusiness 2009 nicht in Sicht und neue Märkte wie Südamerika und andere scheinen bereits in den Startlöchern zu stehen. Nicht zu vergessen der US-Markt, der über den schwächelnden Euro frohlockt und nach einigen Jahren der Abstinenz wieder auf der Käuferseite steht. Als Europäer kann einem fast Angst werden.

Doch jetzt zum Jahrgang 2009! Die „neun“ scheint es in sich zu haben, 1989 – 1959 – 1949 – 1929 – 1899, alles grandiose Jahrgänge und jetzt der Jahrgang 2009, der alle Erwartungen übertrifft, leider auch die preislichen.

Mehr als 5000 Verkoster aus der ganzen Welt reisten Ende März, Anfang April nach Bordeaux, um den Jahrgang zu verkosten. Auch wir waren 2 Wochen vor Ort, zu groß war das zu absolvierende Programm. Noch nie zuvor waren so viele Asiaten vor Ort, viele neue Kunden, die erst seit wenigen Jahren im Primeurmarkt kaufen. Das Kaufpotential dieses Klientels aber ist unglaublich groß. Bereits jetzt diktieren die asiatischen Märkte so manchen Preis, es ist zu befürchten, dass dies wohl erst der Anfang dessen ist, was uns in Zukunft erwarten wird. Wie eingangs bereits erwähnt, nicht zu vergessen die USA, die bei einem schwächelnden Euro auch wieder deutlich engagierter antreten, zuvor aber bereits schon ganz klares Kaufinteresse signalisiert hatten. Die Flexibilität mancher Negociants bzw. Chateaux verblüfft dabei immer wieder aufs Neue. Skuril erscheint es schon, wenn Güter nach 18:00 Uhr, teils bis 19:30 Uhr auf den Markt kommen. Auf welche Märkte derartige Güter abzielen, ist offensichtlich. Ein gewisses Austrocknen der Europäischen Märkte ist nicht von der Hand zu weisen.

Qualitativ mangelt es dem Jahrgang nicht an Superlativen: Das Rezept war der nahezu perfekte Vegetationsverlauf, der nochmals idealer ausfiel als im Jahr 2005. Eine frühe Blüte gefolgt von einem frühen Farbumschlag, sehr warme, aber nicht zu heiße Sommertemperaturen mit zeitweiligen Regenfällen zur Vermeidung von Trockenstreß und schöne warme, trockene Herbsttage ohne Hitze, aber mit kühlen Nächten. Die Hängzeit der Trauben, ähnlich des Jahrganges 2008 übrigens, betrug mehr als 150 Tage. Die Alkohol- und Tanninwerte (IPT) waren aber noch nie zuvor so hoch. Wieviel Wert man dieser Aussage beimessen kann, werden wohl erst unsere Kinder erfahren. Zu verkosten gab es aber sehr frische Weine mit unglaublichem Schmelz. Die Top-Liga war gekennzeichnet durch enorme Struktur, sehr präzise, geschliffene Weine, die bei aller Power eine unglaubliche Balance zeigten. Manches Chateau ging sicherlich ein klein wenig zu weit, weshalb es auch wieder massive und konzentrierte Weine gab, die Zukunft wird es weisen. Wenn jedoch Parker, Gabriel, Tanzer, Robinson und alle anderen Verkoster begeistert über den Jahrgang schreiben, kann man sich diesem Urteil nur anschließen. 2009 ist ein unglaublich großes Jahr, die Spitzenweine sind meist besser als in vorherigen Ausnahmejahren, das Durchschnittsniveau jedoch kommt wohl in der Breite nicht an den Jahrgang 2005 heran. Aus qualitativer Sicht muß man also ein ganz klares Kaufsignal für 2009 geben. Wer Bordeauxtrinker und -liebhaber ist, muß diesen Jahrgang im Keller haben. Ob es die allererste Riege sein muß, entscheidet Ihr Geldbeutel, der Vorteil derartig großer Ausnahmejahrgänge ist, dass auch in der zweiten und dritten Reihe Ausnahmeweine erzeugt wurden und die Zweitweine der ersten Liga sehr gut sind.

Eine wesentliche Frage, die sich offensichtlich mehr und mehr Käufern stellt, ist die Frage des Wein-Investments. Unser doppeldeutig gemeinter Spruch: „Investieren Sie in Wein, wo sonst erhalten Sie bis zu 16%!“soll keinesfalls hierzu verleiten. Grundsätzlich ist Wein zum Trinken da, wenn Sie mit Ihren Einkäufen in ein paar Jahren rückblickend betrachtet ein Schnäppchen gemacht haben, umso schöner, dies wird bei einigen 2009er Weinen sicherlich auch der Fall sein. Ob allerdings bei den großen und sehr teuren Weinen viel Luft nach oben ist? Wenn dem so ist, ist es schön, spekulieren würden wir persönlich nicht darauf. Renditen der 80iger und 90iger Jahre basieren auf völlig anderen Einkaufspreisen, und auf stetig steigende Märkte wie China zu setzen, kann sich als genauso fatal erweisen, wie seinerzeit der Hype um Russland oder Japan. Es gibt eben keine Einbahnstraßen! Kaufen Sie deshalb lieber zum Trinken, und das sollten Sie in diesem Jahrgang reichlich tun. Viele dieser Weine werden Ihnen noch Ihre Nachkommen danken.