Herzlich willkommen bei Unger Weine

2010

Erinnern Sie sich noch an den Song von Marcus aus den 80iger Jahren Marcus „Ich will Spaß“? Er sang: „Kost das Benzin auch drei Mark zehn, Scheißegal, es wird schon geh´n.“ So ändern sich die Zeiten, Benzin kostet über drei Mark zehn, die Weinpreise auch. Allerdings sind die Autos nun auch schneller als 210 (Marcus: „ mein Maserati geht 210“) und die Weinqualitäten haben sich dramatisch verbessert.

 

Spaß werden Sie sehr viel haben mit dem Jahrgang 2010, das können wir Ihnen garantieren! Im vergangenen Jahr hatten wir Ihnen ja bereits einen großen Jahrgang prophezeit, 2010 ist ein riesengroßer Jahrgang! Würden es nicht alle Verkoster uni sono so sehen, Sie würden es uns nicht glauben. Berühmte Zwillingsjahrgänge gab es bereits des öfteren, 1874/1875, 1899/1900, 1928/1929, 1959/1961, 1985/1986 oder 1989/1990. 2009/2010 ist ein weiteres Paar, das in die Geschichte der Ausnahmejahrgänge des Bordelais eingehen wird, preislich ebenso!

 

Was macht den Jahrgang so besonders? Die Blüte war sehr früh, bis auf den Merlot, der etwas durchgerieselt war, verlief die Blüte nahezu perfekt und schnell. Der weitere Vegetationsverlauf war gekennzeichnet durch optimale klimatische Bedingungen. Hitzepeaks wie im Jahr 2009 oder Jahr 2003 blieben praktisch komplett aus. Regen gab es mit lediglich 50mm von Juni bis September sehr wenig, was ohne die große Hitze zu einem gesunden Trockenstreß der Reben und zu einem gewünschten verlangsamten Wachstum führte. So wenig Regen gab es die letzten 10 Jahre nicht mehr. Die kühlen Nächte sorgten für traumhafte Säurewerte, ein Grund, warum auch die Weißweine außerordentlich gut gelangen. Stilistisch ist der Jahrgang näher an 2005 als an 2009 zu sehen. Die kleinen Beeren brachten hohe Tannin-, und Farbwerte, aber auch hohe Zuckerwerte. All dies, im Verbund mit den hohen Säurewerten prädestiniert 2010 als einen der großen lagerfähigen Jahrgänge. Das Interessante an 2010 ist, dass der Jahrgang praktisch über alle Appellationen hinweg Ausnahmequalitäten hervorbrachte. In der Summe muß man ohne Wenn und Aber von einem grandiosen Jahrgang, einem Jahrhundertjahrgang, sprechen, der in keiner seriösen Sammlung fehlen darf.

 

Zum Markt: Die Situation am Bordeaux Markt ist seit einigen Jahren eine völlig neue. Noch nie zuvor war der Abstand der Top Güter zum Rest der Produzenten so gross. Die 1855er Klassifizierung, man mag darüber denken, wie man will, hat Bestand, wie in Fels gemeiselt. Die 5 Premier Crus können mittlerweile ihre Zweitweine zu Preisen verkaufen, von denen selbst hochklassifizierte Güter nur träumen, selbst Drittweine der Premier Cru - 2010 gibt es erstmalig auch einen Drittwein von Chateau Margaux - gelangen in Preisregionen, die auf dem Niveau des Erstweines eines fünften Gewächses liegen. Das Motto lautet: „Wer kann, der kann.“ Ebenso beweist die Rangordnung der Appellationen eine unglaubliche Power. „Schatten-Appellationen“ wie Cotes de Castillon, Lalande de Pomerol, Puisseguin de St. Emilion oder auch das nördliche Medoc kommen preislich nicht einmal ansatzweise an das Niveau ihrer prestigeträchtigen Nachbarn heran. Das Kuriose daran ist, dass Güter unbedeutenderer Appellationen des Öfteren aus dem Fenster dem Prestigenachbarn direkt in den Garten sehen können. Am Ende dieser „Imageskala“ gibt es Güter, die am Existenzminimum agieren, die ihre Weine als Flaschenware fast nicht absetzen können und auf dem freien Markt als Fassware oder „generique“ zu weniger als 1 Euro pro Liter! verkaufen müssen. Wenn wir uns über Bordeaux oder die Bordeaux Primeur unterhalten, sprechen wir über weniger als 3% aller Winzer in Bordeaux.

 

Woher kommt diese Marktverzerrung? Im Luxusmarkt zählen nur Top-Brands, Faktoren wie hoher Preis, limitierte Verfügbarkeit und über die Jahre erlangtes Prestige zählen oftmals höher als das Kriterium der Qualität. Die Premier Crus haben dies in vielen Jahrgängen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Selbst noch in den 90iger Jahren gab es Premier Crus, die qualitativ ihren minder klassifizierten Nachbarn deutlich unterlegen waren. Mittlerweile jedoch reflektieren die Premier Crus auch qualitativ die Spitze des Machbaren. Allerdings nicht mehr alleine, denn „auch andere Mütter haben schöne Töchter“. Die Positionierung über den Preis führt mittlerweile zu derartigen Exzessen, dass die Weine später und später auf den Markt kommen, noch nie war eine Kampagne so spät wie die des Jahrganges 2010. Jeder wartet darauf, was der Nachbar macht.

 

Alle sprechen über China, auch wir! Nordamerika ist out, man kommt heutzutage an Asien einfach nicht mehr vorbei, auch Sie als Kunde spüren die Auswirkungen in Form von steigenden Preisen und geringeren Verfügbarkeiten. Asiaten kaufen seit kurzem Primeur, was wir alle sehr schmerzhaft zu spüren bekommen. Der Handel verdient deshalb nicht mehr, ganz im Gegenteil, jeder nimmt die Margen zurück, um die Weine verkaufen zu können. Der Primeurhandel pervertiert derart, dass englische Kollegen, wie im vergangenen Jahr praktiziert, im Vorfeld speziell für den chinesischen Markt sogenannte Estimates für einen zu erwartenden Preisbereich für ein Chateau bekannt geben. Daraufhin werden unverbindlich Aufträge gesammelt, die zum Tragen kommen, wenn der Preis innerhalb dieser Estimates liegt. In USA und England gab es bereits Auktionen von Bordeaux-Futures! Die Börse lässt grüßen. Wo all dies noch hinführt, kann niemand sagen, aber Russland und Japan waren auch einmal als die neuen Zukunftsmärkte prognostiziert worden. Viel davon ist nicht übrig geblieben.

 

Was heißt all dies für Sie als Subskriptionskäufer? Ob Sie Wein als Investment sehen, ist Ihre persönliche Angelegenheit. Wir raten Ihnen hier weder zu noch ab. Bereits aber im Jahr 1995, vor mehr als 15 Jahren also, als nur Wenige an Wein als Investment dachten, schrieb Wulf Unger einen Artikel im Börse Online Magazin: „Besser Petrus als Daimler Aktien“. Ist Wein ein Investment? Auf derartig hohen Preisniveaus wären Preisprognosen oder Renditeversprechen unseriös. Fast kann man von einer „Weinflation“ sprechen. In Zeiten, wo Großbanken Konkurs gehen, wo Staaten nur durch Subventionen am Leben erhalten werden können, gewinnen Sachwerte zumindest wieder deutlich an Bedeutung. Und betrachtet man den Weinmarkt über die letzten Jahrzehnte, ging der Langfrist-Chart nur nach oben. Kleine Dellen verursacht durch unvorhersehbare Ereignisse wurden immer wieder in kürzester Zeit weg gebügelt. Und selbst die erfolglosen Fonds-Versuche so mancher Banken hätten, wären die Fonds später aufgelöst worden, mittlerweile schöne Renditen gebracht. Wir persönlich sehen Wein als Kulturgut, als etwas, das man mit Freunden oder Gästen teilt und geniest. Vergessen Sie nicht: Wird mehr und mehr Wein nur noch gesammelt, fällt die natürliche Verknappung durch den Konsum weg, einer der wesentlichen Punkte für die Preissteigerungen des Weinmarktes. Niemand weiß genau, wie viel Wein in großen Fonds gehortet wird, dies birgt kein unerhebliches Risiko in sich.