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2011

„Zurück zur Normalität“ könnte der Slogan des Jahrganges 2011 lauten. Folgejahrgänge auf Jahrhundertjahrgänge hatten es noch nie leicht und traten praktisch nie aus dem Schatten der großen Brüder hervor. 1962 folgte auf 1961- wer spricht über diesen Jahrgang? 1983 folgte auf 1982 - wie wunderbar trinken sich jetzt die 83er, selbst 1985 „litt“ noch unter dem Image des Jahrganges 1982, dabei ist 1985 ein traumhaft schönes Jahr. 1991, sicherlich kein überragender Jahrgang, aber ebenso ein jetzt wunderschön zu trinkender Jahrgang, folgte den beiden Jahrgängen 1989 und 1990. 2001 folgte auf 2000. Und so könnte man noch zahlreiche weitere Jahrgänge aufzählen.

 

Der Bordeaux Jahrgang 2011 folgt nun auf die zwei Jahrgänge 2009 und 2010, die beide ein noch nie da gewesenes Preis- und Qualitätsniveau erreichten. Noch nie zuvor war die Nachfrage nach Bordeaux so groß wie für 2009 und 2010. Und nun kommt der Jahrgang 2011, der so viele Erwartungen zu erfüllen hat, allem voran Top-Qualität zum deutlich reduzierten Preis. Der Jahrgang ansich ist gut bis sehr gut, stilistisch aber anders als 2009 und 2010. Jeder, der im April nach Bordeaux reiste, war äußerst positiv überrascht über die Qualitäten. Auch Parker merkte an: „This is a much better vintage than I thought it was before my trip to Bordeaux and could turn out to be close in overall quality to years such as the underrated 2001 and 2008…” Die Vorab Gerüchte, wie in allen Bereichen aus den am wenigsten informierten Kreisen stammend, waren sehr schlecht. Primärer Grund war sicherlich, Preisdruck auf die Chateaux auszuüben. 2009 und 2010 waren einfach sehr teuer, das hatte viele Kunden und Händler verärgert.    

 

Das 2011er Wetter war von Extremen geprägt. Das Frühjahr war praktisch ein Sommer, wir erinnern uns noch, als wir traditionell mit unseren Freunden von Harlan Estate zur Vinexpo im Juni 2011 in Bordeaux weilten. Zu diesem Zeitpunkt betrug der vegetative Vosprung von Bordeaux zu Kalifornien unglaubliche 3 Wochen! Ende Juni dann kamen einige extrem heiße Tage, die partiell massive Trockenschäden hervorriefen. Viele Weingüter hatten bereits schützendes Laubwerk entfernt, was die Trauben maximaler Sonnenexposition aussetzte. Und danach wurde es kühl. Im September, als die Trauben bereits Reife zeigten, setzte Regen ein, was schlagartig zu Botrytis führte. Perfekt für die Sauternes, die auch in diesem Jahr hervorragend gelungen sind, katastrophal jedoch für die Rotweine. Nur unter massivem Einsatz an Helfern bekamen die Güter diese Situation in den Griff. Die zweite Septemberhälfte schließlich brachte wunderbaren Sonnenschein und optimale Temperaturen. Als wir zur Lese in Bordeaux weilten, herrschte Traumwetter. In der Summe war es ein extrem arbeitsintensives Jahr, die Mengen sind deutlich kleiner als in beiden Vorjahren. Kurios ist dabei, dass die Wetterstatistik 2011 als das wärmste Jahr der letzten 50 zeigt! Wir sehen den Jahrgang definitiv auf oder partiell über dem Jahr 2008 und vergleichen ihn stilistisch etwa mit Jahrgängen wie 2005 oder 1996. Auch dies sehr klassische Jahrgänge, die lange Zeit zur Reifung benötigen.  

 

Wie bereits angesprochen, die Sauternes gerieten sensationell, Weine von unglaublicher Fülle und Cremigkeit, ausgestattet für das ewige Leben. Herausragend ebenso die trockenen weißen Bordeaux, auch hier wurden überragende Weine über alle Appellationen hinweg vinifiziert. Selbst günstige trockene Weißweine sind traumhaft gut gelungen, Sie müssen sich hier eindecken! Die Rotweine zeigen nicht die Erotik und Exotik, die höheren Alkoholgradationen heißer Jahrgänge, sind aber unglaublich harmonisch, frisch und komplex. Dies prädestiniert die Weine des Jahrganges 2011 als perfekte, finessenreiche Essensbegleiter. Zudem werden die Spitzenweine lange lagerfähig sein und über sehr viele Jahre Freude bereiten. Wir sind in der Summe überzeugt, dass dieser Jahrgang für den klassischen Bordeauxtrinker ein Jahrgang zum Kaufen ist. Ist es ein Jahrgang zum Spekulieren? Wir raten Ihnen, wie bereits in der Vergangenheit, nicht dazu. Wie sich die Weinpreise entwickeln werden, ist nicht vorhersehbar, kaufen Sie Ihre Weine zum Trinken, damit gehen Sie bis auf einen geschmacklichen Fehltritt kein Risiko ein. Viele meinten, der Lafite Rothschild Asien-Hype würde so weitergehen, dass ein Lafite Rothschild 2011 ein Drittel oder die Hälfte eines 2010 kosten würde, hat von den Euphorikern niemand prognostoziert. Was aber Fakt ist: 2011 ist dem Jahrgang 2008 der ein Traum-Einkaufsjahr für die Liebhaber edler Bordeaux war, deutlich näher, als den Jahrgängen 2009 und 2010. Gehen Sie in diesem Jahr auf die Klassiker, denn die haben durch die Bank wieder super Weine hervorgebracht, sehen Sie sich die Preisabschläge an und entscheiden Sie dann, was Ihnen welches Gut wert ist. Wir haben das Thema Preis textlich entsprechend zum Ausdruck gebracht. Bedenken Sie bei Ihrer Kaufentscheidung aber bitte, dass ein Gut, dessen Wein 20 Euro kostet, nicht das gleiche Preiskorrekturpotential hat, wie ein Gut dessen Wein das x-fache kostet.