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2012

Der Jahrgang 2012 hatte es von Anfang an nicht leicht in einem wirtschaflichen Umfeld, das mehr durch Unsicherheit, denn durch die Spekulation der vergangenen Jahre getrieben ist. Zudem hat sich Asien stark abgekühlt, das aufgrund der enormen Nachfrage der Preistreiber der vergangenen Jahre war. Dort findet man mehr und mehr Gefallen an zweiten, dritten und vierten Gewächsen. Gut so, wäre es anders, wären die Preise wohl nicht in dem Maß zurückgekommen, wie es bei vielen Gütern der Fall war. Die Chateaux üben zwar nach wie vor Druck auf den Bordeauxhandel aus, mehr und mehr Negociants jedoch lassen Weine zurückgehen, schlichtweg um zu signalisieren, dass zu den mancherorts offerierten Preisen keine Nachfrage am Markt herrscht. So schlägt das Pendel mehr und mehr in Richtung Konsument aus, 2012 ist preislich bei vielen Gütern wieder ein Käuferjahrgang.

 

Der Winter 2011/2012 war zwar sehr mild, dauerte aber über Gebühr lange und war extrem feucht. Selbst der April war deutlich zu kühl und niederschlagsreich. So verzögerte sich das Wachstum der Reben im Frühjahr, die Blüte erfolgte im Schnitt 12 Tage zu spät. Ein Faktum, dass manchen Chateaux im Herbst schwer zu schaffen machte. Das feuchte und kühle Wetter setzte sich im Mai und Juni weiter fort. Die deutlich unter dem Durchschnitt liegende Befruchtung führte zudem zu reduzierten Erträgen, durch das feuchte Wetter drohte bereits sehr früh Befall mit Mehltau, alles andere als gute Voraussetzungen also. Mitte Juli jedoch schlug das Wetter um, es wurde schlagartig trocken und so heiß wie selbst im Jahr 2010 nicht. Die Temperaturen erreichten im August Werte die den Vegetationszyklus der Pflanzen deutlich reduzierten, die Reben stellten die Photosynthese ein, die Reife verzögerte sich. 30 Jahre lang hatte Bordeaux keine so hohen Durchschnittstemperaturen mehr gesehen, zudem fiel nur ein Drittel der normalen Regenmenge. Mehr als 14 Tage später als normal begann schließlich die Weißweinlese während der ersten Septembertage. Die erzielten Säurewerte der Weißweine waren beeindruckend, trotzdem wurden Zuckerwerte wie in 2010 erreicht. Somit kann man 2012 getrost als hervorragendes Weißweinjahr im trockenen Bereich bezeichnen. Viele Güter haben herausragende Weine in den Fässern. Durch den generellen Trend der Preisreduktionen kann man hier unbedenklich zuschlagen. Dann aber wurde es schwierig. Der Regen setzte Mitte/Ende September ein und bestimmte bis Ende Oktober mit teils aber längeren Unterbrechungen die Großwetterlage in Bordeaux. Die Merloternte begann am 24.09., Cabernet folgte 2 Wochen später. Die Fäulnisgefahr durch den hohen Feuchtedruck einerseits, dann wieder sonnige Abschnitte andererseits, war enorm hoch, die Chateaux waren zeitlich und bezüglich des Lesetaktes extrem unter Druck. Nur mit Hilfe großer Leseteams konnte dem Wetter getrotzt werden, früh reifende Terroirs waren ganz klar die Gewinner, Merlots ebenso. Den Wetterkapriolen konnte man nur durch permanente Auslese und intensives Ausdünnen im Weinberg begegnen, wobei die biodynamisch bewirtschafteten Güter wie Chateau Pontet Canet noch deutlich mehr Arbeitszeit zu investieren hatten. Die umfangreichen Erfahrungen der letzten 10 Jahre in Bezug auf intensive, naturnahe Weinbergspflege, die extreme Selektion in der Lese und neueste optische, lasergesteuerte Selektionstische haben diesem Jahrgang letztlich zu dem tollen Ergebnis verholfen, das sich aktuell in den Fässern zeigt. Die extreme Selektion jedoch führte zusammen mit der reduzierten Blüte im Frühjahr zur kleinsten Lese seit mehr als 10 Jahren. Pomerol ist sicherlich im Querschnitt die erfolgreichste Appellation, die meisten Güter haben sehr hohe Merlot Anteile in den Blends und tolle Weine im Keller. Auch Pessac kam perfekt mit den Wetterbedingungen zu recht, so wie auch Margaux. Alle anderen Appellationen sind heterogen mit teilweise trotzdem hervorragenden Ausreißern nach oben. Dort wo man auf die Edelfäule wartete, kam sie zu spät, sehr inhomogen und oftmals als Fäulnis. Ein Grund für die eher schwachen Sauternes.

 

Wie schmecken nun die 2012er. 2012 ist kein 2003 und auch kein 2009, zwei sensationelle Jahrgänge, die stilistisch eher nach Kalifornien gepasst hätten, denn nach Bordeaux. 2012 ist ein Bordeaux-Jahr, wie es klassischer nicht sein kann. Die Weine waren sehr frisch und komplex, niedriger im Alkohol, schön zu verkosten, werden deshalb früh trinkreif sein und von Anfang an sehr viel Spaß machen. 2012 ist ein klassisches Jahr für Genießer, die Finesse und Balance suchen und Weine zum Trinken. Sehen Sie sich die Preisabschläge der einzelnen Güter an, manche Chateaux haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt und Preise auf Vorjahresniveau oder darüber verlangt, hier macht ein Kauf keinen Sinn. Wenn aber seriöse Preisabschläge mit Top Bewertungen einhergehen, was bei vielen Gütern der Fall war, dann sehen wir ein klares Kaufsignal. Ob Sie mit dem Jahrgang 2012 spekulieren können, wagen wir nicht zu beantworten. Wie sich die Märkte weiterentwickeln werden, kann ebenso niemand prognostizieren. Fakt ist sicherlich, dass die weltweite Nachfrage nach Spitzen-Bordeaux nicht abreissen wird, sondern sich eher weiter verstärken wird. Asien steht erst am Anfang einer grandiosen Entwicklung, wenn dort auch aktuell etwas Ruhe eingekehrt ist, Südamerika und Afrika kommen neu hinzu, Nordamerika erholt sich aktuell, die dortige Nachfrage zieht deutlich an. Kaufen Sie Ihre Weine deshalb zum Trinken, wenn am Ende der Preis steigt, schmeckt der Wein nur noch besser.