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2014

Ein weiterer Jahrgang schreibt Weingeschichte, aktuell der Bordeaux Jahrgang 2014, der wie immer, im Vorfeld mehr diskutiert als persönlich erfahren wurde. Wer aber Bordeaux kennt, weiß, dass kein Jahrgang wie der andere ist, jeder Jahrgang aber für genügend Gesprächsstoff sorgt, gerade das macht es ja eben spannend.

 

Das Jahr 2014 startete relativ vielversprechend, der Winter war zwar einer der wärmsten der letzten 25 Jahre, selbst die März-Temperaturen waren ungewöhnlich warm. So startete der Austrieb Mitte März 2 Wochen früher, war dafür aber homogen und unproblematisch. Die Angst vor Frösten jedoch war groß, der Winter hatte immerhin nur 6 Frosttage im Vergleich zu 25 Frosttagen im langjährigen Jahresdurchschnitt. Dann war auch noch der April optimal, frostfrei und stabil mit kühlen Nächten, was mehr als ungewöhnlich war.  Zur Blüte Mitte Mai jedoch kam der Winter zurück. Es wurde kalt, regnerisch und feucht, zwischen den Tagen dann wieder mit anormal hohen Temperaturen. Der Farbwechsel – Veraison genannt - war dadurch später als normal und lief alles andere als optimal. Der Juni sorgte sogar mit zwei extremen Hitzewellen mit über 35°C bereits für erste, sehr frühe Hitzeschäden. Zudem sorgte Hagel in manchen Gebieten für erhebliche Schäden und weitere Kopfschmerzen. Der Feuchtedruck in den Weinbergen war enorm hoch. Der Juli und der August waren ebenso extrem schwierig. Alleine im Juli war die Durchschnittstemperatur 5° unter den Durchschnittswerten, der August war immer noch mehr als 2° unter dem Normalwert.

 

Dann jedoch hatte der Wettergott ein Einsehen, Ende August wechselte das Wetter schlagartig, Sonne, hohe Tagestemperaturen ohne Hitze, kühle Nächte, es hätte nicht besser kommen können. Der September brach so ziemlich alle Rekorde bezüglich Trockenheit und Durchschnittstemperaturen. Im Oktober, als wir selbst vor Ort waren, konnte man untertags am Pool liegen und baden, in Arcachon badeten die Familien im Atlantik, so warm war es. Der Lesezeitpunkt war praktisch frei wählbar, die Winzer mußten sich wie in Kalifornien fühlen.

 

Bedingt durch die Wetterkapriolen kamen die Cabernets deutlich besser mit der schwierigen Konstellation zurecht. Sie konnten durch den späteren Lesezeitpunkt länger vom Super-Herbst profitieren, ein Grund, warum eben nicht nur im Medoc große Weine entstanden. Auch am rechten Ufer gibt es Weingüter mit hohem Cabernet Franc Anteil und auch Cabernet Sauvignon im Blend. Gerade diese konnten sich das Wetter sehr zu Nutze machen und produzierten Traumweine. Da zudem der Regen sehr unterschiedlich verteilt war, muß man wirklich Wein für Wein betrachten, tendenziell ist aber das Medoc und Graves im Vorteil gegenüber dem rechten Ufer. Wie gesagt, aber auch dort entstanden sensationelle Weine. Stilistisch ist der Jahrgang 2014 hochinteressant und als intelektuell zu bezeichnen. Die besten Weine waren durch die lange Reifezeit perfekt reif, hatten aber zudem eine Frische, die bei den Verkostungen super positiv auffiel und absolut beeindruckte. Ebenso die Tannine konnten perfekt ausreifen, die Weine verkosteten sich in der Summe deutlich einfacher als in den Jahren zuvor. 2014 wird ein früher trinkbarer Jahrgang sein, trotzdem aber erhebliches Potential haben. Wir sind uns sicher, dass wir in einigen Jahren sehr viel und mit Begesiterung über 2014 sprechen werden. Die Spitzenweine haben alle Anlagen dazu. 

 

Bedenkt man, wie vorab schlecht-geredete Jahrgänge wie 2011 und 2012 im Nachhinein Punktemäßig aufgewertet wurden, verspricht dieser Jahrgang sehr viel Potential und Trinkfreude für die Zukunft, wir sind äußerst positiv. Soll man nun 2014 subskribieren oder nicht? Die Antwort lautet: JA! Die Preise wurden im Vergleich zum Jahrgang 2013 zwar wieder etwas nach oben korrigiert. Aus qualitativer Sicht macht das aber absolut Sinn, Bordeaux bietet trotzdem und nach wie vor geniale Preis/Leistungs-Weine. Nimmt man die Top-20 einmal aus dieser Betrachtung heraus, gibt es weltweit kein zweites Anbaugebiet, welches Weine in einer derart großen Menge mit so grandiosen Qualitäten zu vergleichbar fairen Preisen produzieren kann. Im Bereich weißer Bordeaux macht der Kauf der einen oder anderen Kiste auf jeden Fall Sinn, der Jahrgang 2014 zählt wiederum zu den sehr guten Jahrgängen für weiße Bordeaux. Ebenso die Sauternes sind ausnehmend gut gelungen, ein Vorteil des Regens. Und wie gesagt, bei den Rotweinen sind die nördlichen Appellationen des Medoc im Vorteil, aber auch im Süden des Medoc, in Margaux wurden irre Weine vinifiziert, weitere Appellationen eingenommen.

 

Viele der Spitzen-Weine werden sicherlich zum Zeitpunkt der Auslieferung in 2 Jahren nicht mehr oder nur zu deutlich höheren Preisen verfügbar sein. Sollten Sie planen, Großflaschen oder Sonderabfüllungen zu kaufen, können Sie dies ohnehin nur im Rahmen der Subskription tätigen. Später kommen Sie nur schwer an Großflaschen. Deshalb sind wir ganz klar der Meinung, dass der Jahrgang 2014 einen Kauf lohnt. Im vergangenen Jahr schrieben wir: „Wir sehen bei manchen Gütern, wie den ersten Gewächsen, jetzt auch ein Preisniveau erreicht, dass unserer Einschätzung nach den Tiefstand darstellt. Es ist für manche Weine schwer vorstellbar, dass diese nochmals günstiger werden.“ So ist es eingetroffen, die Preise steigen wieder, die Nachfrage zieht an. Der Euro-Verfall und die Aufwertung des Schweizer Frankens führen zu diesem Effekt, zudem kaufen die Kollegen aus der Schweiz oder den USA den Jahrgang 2014 deutlich günstiger ein als wir. Wir freuen uns, Ihnen den richtigen Rat gegeben zu haben.