Herzlich willkommen bei Unger Weine

Weihnachtstasting 2015

24.12.2015

 

Am 12.12. fand sich wieder eine Wein-verrückte, wie -interessierte Gruppe bei uns in Frasdorf ein. Dank dem herausragenden AMG Flughafen Shuttle Service und dem Einsatz zweier S63 und S65 Limousinen natürlich pünktlich, wohlbehalten, entspannt und in bester Laune.

 

Los ging es am offenen Kaminfeuer mit dem megararen Champagner von ULYSSE COLLIN LE MAGNUM aus dem Jahrgang 2006. Das Erstlingswerk dieses Kultwinzers, von dem lediglich 503 Magnum-Flaschen produziert wurden, war absolut feiner Edelstoff, der sich trotz minimaler Dosage weich, perfekt auf der Frucht und mit grandioser Präzision zeigte. Im Nachgang erhielten interessierte Probenteilnehmer die Möglichkeit, sich die eine oder andere Magnum zu sichern. Unser Caterer Prinzipal servierte zum Start perfekt passende Rote Beete Essenz, Caviar auf Weissbrot und Sashimi vom Biolachs mit Himbeervinaigrette.

 

Vor dem großen Start durfte jeder noch ein paar Kalorien loswerden. Wir stiegen zu einer Besichtigung hinab in unsere neue unterirdische Dependance UNGER WEINE - DER KELLER. Dieses Großprojekt, das Kunden die Möglichkeit bietet, Weine auf unvergleichlich hohem Qualitäts- und Sicherheitsniveau zu lagern, geht ab sofort in Betrieb. Wir haben diesbezüglich noch viel vor und bereits in der Schublade...

 

FLIGHT 1

 

Analog früherer Weihnachtstastings servierten unsere beiden Weinspezialisten Sarah Adler und Andy Wachter alle Weine entweder aus Magnum- oder Einzelflaschen. Bei zweiteren Flaschen alternierend, so dass immer jeder Teilnehmer zu seiner linken und rechten Seite die Alternativflasche zum Vergleich hatte. Logistisch bei 30 Personen und mehr als 30 Weinen eine äußerst sportliche Aufgabe.

Wir starteten mit einem hochinteressanten Flight des Jahrganges 1983. Unter Freaks wird der 1983 Brunello Soldera von Case Basse extrem hoch gehandelt. Angesichts der mittlerweile vergebenen 100 Punkte von Antonio Galloni auch nicht verwunderlich. Nur hat Galloni den „normalen“ Bunello verkostet und nicht die Riserva, die wir gleich nebenan stellten. Als Referenz diente weiter der von Parker mit 100 Punkten bewertete 1983 Guigal Cote Rotie La Mouline nebst dem herauragenden 1983 Chateau Palmer aus der Magnumflasche, mit 97 Parker Punkten auch kein Leichtgewicht. Einer der Teilnehmer vermutete beim Brunello auch gleich Sangiovese, wich dann aber wieder von seiner Meinung ab, meist ein Fehler. Diese beiden Flaschen des „normalen“ Brunello waren nicht so weit und reif, wie wir den Wein bereits mehrfach getrunken hatten. Das waren zwei maskuline Kaliber mit Kirsche, Säure, Tannin, aromatischer Komplexität und nach einiger Zeit sich entwickelnder feiner Süße. Beide Flaschen aber noch um Jahre zu jung. Dies galt umso mehr für die beiden Exponate der 1983 Case Basse Soldera Brunello Riserva. Unglaubliche Power, zusätzlich Pilznoten und erdige Noten, einfach von allem noch mehr, ein Baum von einem Sangiovese. Wobei man sich durchaus die Frage stellen durfte, ob dieser Wein in 50 Jahren reif sein wird, oder zuvor an der schieren Säure-Tanninstruktur austrocknet, Finesse zumindest wird anders definiert. Ein grandioses Erlebnis war es trotzdem, denn die Literatur zeigt nahezu keine Aufzeichnungen zur Riserva. Wir trauten uns im Vorfeld nicht, die Weine zu dekantieren, um nicht Frucht zu verlieren. Jeder, der diesen Wein aber im Keller hat, sollte unbedingt ein oder zwei Stunden Dekantierzeit einplanen. Dann kam der Traum in Form dieses überirdischen 83er Guigal. 100 Punkte ohne Wenn und Aber, pures Rhone Elixier, weich, druckvoll, animalisch, elegant und lang, ein Superwein mit viel weißem Pfeffer, der allerdings von vielen Teilnehmern als Bordeaux gesehen wurde. Dem 83er Palmer, berechtigt als einer der großen Bordeaux dieses Jahrganges gesehen, fehlte hier vielleicht der eine oder andere Punkt zum Guigal. Trotzdem aber, und solo getrunken, ein derartig grandioser Charmeur, dass man die Magnumflaschen locker alleine hätte leeren können, Palmer at its best, aber es geht noch besser, hierzu später mehr.

Die Trilogie vom Thunfisch mit Mango und Blüten sorgte für erste Gaumenfreuden.

 

FLIGHT 2

Weiter ging es mit einem Flight auf den wir uns ungeheuerlich gefreut hatten, war es doch ein gleichermaßen interessantes, wie hochkarätiges Zahlenspiel über eine Zeitspanne von 80 Jahren. Castillo Ygay Reserva Especial/Gran Reserva 1925 - 1952 - 2005, getrunken im Jahr 2015, der älteste Wein also 90 Jahre alt. Alle drei Weine absolute Ikonen der spanischen Weinbaukunst und was uns ungemein freute, alle Flaschen in perfekter Verfassung. Es ging also los: Ja, was soll man zum 1925er Castillo Ygay sagen? Was für ein Edelwein, Cappuccino, Mokka, Süße, Länge. All dies bei einer nicht zu glaubenden Balance und Perfektion. Ein Wein, der jede finanzielle Sünde wert ist und die 100 Punkte haben muss, umso mehr, wenn man ihn mit dem 97 Parker Punkte Pendant aus dem Jahrgang 1952 vergleicht. Und insbesondere unter Berücksichtigung der fast 30 Jahre, die der 25er zusätzlich auf dem Buckel hat. Aber auch der aus dem herausragenden Spanien-Jahrgang 1952 stammende Ygay zeigte sich von seiner besten Seite. Dunkler in der Farbe, frischer im Erscheinungsbild, noch erkennbare Holzaromatik - der Wein wurde erst 1986 abgefüllt! Aber auch dieser Ygay sexy und reif und weich, ein Wein, der Nicht-Weintrinker mit dem ersten Schluck zu Weinliebhabern macht. Die 97 Parker Punkte sind mehr als gerechtfertigt. Hier hatte der Jahrgang 2005 keine Chance. Sicherlich auch dieser Wein toll, dank 96 Parker Punkten auch auf dem Radar grosser Spanien-Sammler und preislich sicherlich der Bargain in diesem Flight. Aber Alter und Reife ist eben durch nichts zu ersetzen. Und ehrlich gesagt diente uns der 2005er auch mehr als Referenz.

Die getrüffelte Stopfleberterrine mit Birne, Cranberry und Nüssen adelte diesen Flight zu etwas ganz Besonderem.

P.S. Chapeau an Max Riedel, der gleich zu Anfang völlig unverblümt bemerkte, dass wohl niemand am Tisch das Alter des ältesten Weines hätte und dass dies gut und gerne ein 80 Jahre alter oder älterer Tropfen sein könne!

FLIGHT 3

Nun kam etwas, über dessen Existenz man zwar weiß, niemand aber den Inhalt kennt, zumindest lt. Auskunft des Produzenten. Ein Flight, den weltweit niemand wiederholen können wird und der seinesgleichen sucht. Wir waren mehr als gespannt!

Diesem Flight ging ein Anruf zuvor, und zwar bei Kathleen Heitz von Heitz Wine Cellars. Die Frage lautete, ob Kathleen denn sagen könne, was der Cellar Treasure Cabernet - Lot 54 sei. Auf der Flasche steht, dass lediglich 528 Flaschen produziert wurden und: „Perfected and bottled in our cellar“, Alkoholgehalt 12%. Kathleen persönlich hat den Wein noch nie verkostet, vermutet aber, dass es ein Wein ist, der von Ihrem Vater noch vor dem offiziellen Start von Heitz im Jahre 1961 mit zugekauften Trauben vinifiziert wurde, deshalb „perfected“. Es muss sich wohl um 2 Barriques oder ein einzelnes, größeres Fass gehandelt haben. Wir hatten bereits vor Jahren ein Vermögen für diese Flaschen bezahlt, ohne zu wissen, was wir überhaupt kauften. Unsere Flaschennummern 149 und 403 aber waren eine absolute Offenbarung und ein nicht wiederbringbares Weinerlebnis! Wir stellten dieser Weltrarität zwei nicht minder rare Heitz Spezialabfüllungen zur Seite, einmal Lot NV-46 (55.865 Flaschen produziert), der im Jahr 1978 abgefüllt wurde und dann den C-91 (15.100 Flaschen produziert), den wir bereits auf unserem Heitz Tasting mit in den Ring warfen. Dieser abgefüllt im Jahr 1973, als Jahrgang aber aus 1969 stammend. Eine der beiden Flaschen zeigte übrigens einen Aufkleber mit US 9.75$. Zu diesem Preis bitte einen Container liefern, liebe Kathleen! Nun aber zur Verkostung: Der anfänglich vermutete Korkfehler beim LOT NV-46 bestätigte sich nicht, der leichte Kellergeruch verflog und hervorkam ein perfekt gereifter, süßer und aristokratischer Wein mit Kirsche, beeindruckender Eleganz und feiner femininer Erscheinung, der locker für eine Bewertung Anfang/Mitte 90 gut war. Wir würden jede Flasche davon kaufen. Die Überraschung allerdings und von der Mehrzahl der Teilnehmer als der Sieger des Flights gesehen, war der Cellar Treasure Cabernet. Was für ein Mega-Erlebnis, locker für 100 Punkte gut, unter Berücksichtigung der Rarität 101 Punkte. Dieser Wein hatte eine derartige Länge und Druck, gepaart mit dieser reifen Fruchtsüße, Tabak und Mokka, dass man es nicht glauben mochte, wow! Der C-91 dann führte die Gäste auf die richtige Fährte, denn der hatte die „Heitz-Minze“ und so typische Eukalyptusnote, dass Kalifornien zumindest zur Diskussion stand. In der Farbe dunkler und jünger als die beiden Pendants hat dieser Wein nochmals locker 10 Jahre vor sich. Wir werden es beweisen!

Die Steinpilze, Jakobsmuschel mit Kürbis taten ihr Übriges zur Ergänzung dieses grandiosen Erlebnisses.

FLIGHT 4

Drei Weißweine mit je 100 Punkten in Parkers Wine Advocate standen auf dem Prüfstand. Es ist gar nicht so einfach, Weißweine mit dieser Bewertung zusammenzutragen, wir jedoch hatten sie. Und da die Weine bezüglich Herkunft, Jahrgang und Rebsorte unterschiedlicher nicht hätten sein können, waren die Diskussionen über den Hintergrund zu diesem Flight auch entsprechend erfrischend.

Lediglich der Riesling wurde als solcher, zumindest von manchen, erkannt. Los ging es mit dem 1996 Marcassin - Marcassin Vineyard Chardonnay. Den sollte man einmal mit oxidierten (premox - pre mature oxidation), weißen Burgundern aus dem gleichen Jahrgang zusammenstellen. Da würde so mancher Kollege alt aussehen. Helen Turley mit ihrem Marcassin kann´s einfach, das waren 100 Punkte, perfekt gereift, bereits reifer in der Farbe, am Gaumen aber eine grandiose Geschmacksexplosion mit Pfirsich, Citrus und allen möglichen exotischen Früchten und dezentem Karamell. Die meisten Diskussionen löste der 1995 Nikolaihof Riesling Vinothek aus. Ein Riesling, der sage und schreibe 17 Jahre im Fass reifte. Die Farbe zeigte sich derart frisch und jugendlich und jung, dass man dies nicht glauben kann. Auch für einen Smaragd eher leichtgewichtig und filigran mit lediglich 12,5% Alkohol. Der Wein aber zeigte sich enorm komplex, fein, frisch und jugendlich, ganz im Gegensatz zu der Erwartungshaltung, die vermeintlich eine völlig andere Stilistik versprach. Ob das 100 Punkte sind oder nicht, ist hier nicht relevant. Es ist beeindruckend was der Nikolaihof aus dieser Rebsorte imstande ist, zu vinifizieren. Gott sei Dank kein weiterer, dicker Smaragd, der vor Kraft und Viskosität nicht mehr laufen kann! Und dann kam der 2009er Weißwein aus dem Hause Pape Clement, ein grandioser Rebsortenmix aus Sauvignon Blanc und Semillon. Wir lieben diese Weine, weshalb der Kommentar hier vielleicht ein klein wenig euphorischer ausfällt. Aber das ist weißer Bordeaux, wie er sein muss. Frische, Citrus, Holz, Exotik, Erotik, Schmelz mit ungeheurem Druck. Ein Wein, der jetzt in seiner Jugend so ungeheuerlich viel Spaß macht, dass er mit dem Alter nur anders, nicht aber besser werden kann.

Das dazu gereichte Selleriepüree mit Perigord Trüffel mundete vorzüglich.

FLIGHT 5

 

Weiter ging es mit einem Jahrgangsthema, und zwar dem Jahrgang 1968. In Bordeaux und Frankreich generell entstanden hier nicht gerade erwähnenswerte Weine, wohl aber in Spanien und ganz besonders in Kalifornien!


Wir hatten aus USA 1968 Ridge Montebello und 1968 Chateau Souverain im Glas und stellten dagegen 1968 Ygay Gran Reserva und 1968 Vega Sicilia Unico an. Klarer Sieger war der nahezu überirdische 68er Montebello. Ob 98, 99 oder 100 Punkte, irgendwo in dieser Liga spielte dieser Hammerwein allemal. Wir freuen uns schon auf unser Ridge Montebello Tasting in einigen Jahren, die Flaschen aller Jahrgänge liegen schon bei uns im Keller. Doch zum Wein: Bordeaux war die einhellige Meinung. Reife Noten mit Leder, perfekter Süße und einer Balance und Perfektion, dass einem fast die Tränen kamen, das muss Bordeaux sein, nur leider aus Kalifornien. Der nächste Wein ist ein Geheimtipp. Chateau Souverain hat bis in die 70er Jahre unter seinem Besitzer Lee Stewart hinein famose Weine aus „mountain fruit“ gemacht, später dann ging das Gut in die Hände von Burgess über. Der Jahrgang 1968 jedoch, der unter Winiarski, zuvor tätig auf Ray (wir hatten bereits 1947 Ray in einem unserer Weihnachtstasting) entstand, ist ein Meisterwerk eines kalifornischen Cabernets. Feiner, femininer und eleganter als der Ridge, zudem mit mehr Minze, zeigte aber auch dieser Wein Größe und Komplexität. Zum Glück haben wir hiervon noch im Keller, auch andere Jahrgänge. Der 1968er Ygay war bei dieser Konkurrenz chancenlos. Er zeigte die typische Spanien-Süße, war fein und elegant mit schönem Abgang, im Reigen dieser Traum-Kalis allerdings reichten ihm die 93 Parker Punkte nicht zum Sieg. Anders der 68er Unico, der deutlich stärker war, schönen Schmelz und deutlich mehr Fleisch zeigte, am Gaumen enorm ausbaute und druckvoll im Abgang war. Die Kalis allerdings ließen auch dieser Wein-Ikone keine Chance.

Wir servierten hierzu Seeteufel, Perigord Trüffel und Blattspinat.

 

FLIGHT 6

 

Es kam, was kommen musste: Alte gereifte Bordeaux und zwar in Form von Chateau Palmer 1945-1959-1961. Auch dies war ein Flight mit 6 Flaschen, der uns im Vorfeld schlaflose Nächte bereitete. Um es aber gleich vorwegzunehmen, die Weine und Flaschen hätten nicht besser sein können. Der Jahrgang 1945 aus der Abfüllung des Guts-Mitbesitzers Maehler Besse bestätigte seinen Ruf einmal mehr, was für ein ungeheuerlicher Wein, dieser Schmelz, diese Feinheit, diese absolute Perfektion, mehr geht nicht, wir sahen ihn irgendwo zwischen 98 und 100 Punkten! Die hatte der 59er aber ebenso, exotischer in der Frucht als der 45er, jünger und jugendlicher, etwas frische Minze zeigend. Aber auch dieser Wein eine der Offenbarungen des Abends und nahe der 100 Punkte. Der 61er hatte die ohne Frage. Nahezu provozierende Perfektion, alle Attribute wie mit dem Lineal gezogen und proportioniert, 100 Punkte und basta.

Uns fiel ein Stein vom Herzen, aber das war ein grandioses Erlebnis das wir mit Maishendl, Ruccola, Himbeere und Walnuss begleiteten.

 

FLIGHT 7

Und da es kein Unger Weine Weihnachtstasting ohne eine gehörige Dosis Kalifornien gibt, beleuchteten wir im folgenden Flight den sehr guten, aber leicht im Schatten des 91er stehenden Jahrgang 1992 mit einigen der Highlights. Nach nunmehr 23 Jahren, ja man mag es nicht glauben, 23 Jahre..., lohnt sich ein erster Blick. Zusammenfassend muss man feststellen, dass sich alle Weine dieses Flights enorm jung zeigten, Bordeaux aus dieser Zeitspanne, fair wäre ein Vergleich mit 1990, zeigen deutlich mehr Entwicklung und Reife. Nicht ohne Grund tippten viele auf einen Kaliflight, nur eben 15 Jahre jünger. Grund hierfür sind die Tannine, die im Napa Valley entgegen landläufiger Meinung nicht so einfach reif zu bekommen sind. Die längere „hang-time“ führt dann oftmals zu hohen Alkoholwerten. Wir hatten 1992 Maya von Dalla Valle (100 Parker Punkte), 1992 Harlan Estate (96 Parker Punkte), 1992 Colgin Herb Lamb (96 Parker Punkte) und 1992 Philip Togni (95 Parker Punkte). Dazu gab es völlig passend dry aged Lamm, Apfelrisotto und Thymian. Los ging es mit dem 92er Maya, der so entzückend, beeindruckend und irre ist, wie Maya selbst. Wir dürfen dies sagen, pflegen wir mit Naoko Dalla Valle und ihrer Tochter Maya eine mehr als 15 jährige Freundschaft. Was Maya aber Gott sei Dank nicht hat, sind die maskulinen Züge dieses 55% Cabernet Sauvignon/45% Cabernet Franc Blends. Dieser Wein zeigt sich so extrem frisch und jugendlich und derart voller Power, gepaart mit Mineralik, Cassis, Dichte und Frucht, dass man hiervon nur den Keller voll packen kann und in 10 Jahren wieder die nächsten Flaschen öffnen sollte. Dann kam Harlan Estate, dieser sexy Charmeur. Süßer in der Ausprägung, exotischer im Aromenprofil, weicher und zugänglicher, immer noch mit leicht jugendlicher Holznote ist das ein grandioser Wein aus dieser Edelschmiede. Der Maya jedoch hatte die Nase vorne. Der Colgin 1992 aus dem mittlerweile nicht mehr von Ann Colgin genutzten Herb Lamb Vineyard war Anns erster Wein, eine Mega-Rarität also und ein 100% Cabernet Sauvignon! Bei diesem Wein lag das Aromenprofil näher an Harlan Estate, denn am Maya. Schwarze, dunkle, reife Beeren, schöne Süße, enorm balanciert und integriert, ein wahrer Schmeichler vor dem Herrn und ein Traum zum jetzigen Genuss. Schade, dass in jedem Flight immer so wenig Zeit bleibt, um die Weine der Nachbarn mit austrinken zu können. Dieser Wein wäre prädestiniert hierfür. Und dann kam der 1992 Philip Togni, hauptsächlich aus Cabernet Sauvignon vinifiziert, ein klassischer Bordeaux, seit 1983 hoch oben am Spring Mountain unterhalb von Paloma vinifiziert. Bordeaux, Bordeaux, Bordeaux, das war die Interpretation. Ein Wein gemacht für das ewige Leben, jetzt bereits beeindruckend gut trinkbar mit fast hedonistischen Zügen und ungeheurer Komplexität. Auch dieser Wein hat noch Dekaden großer Trinkfreude vor sich. In der Summe ein Flight, der das Potential von Kalifornien zeigt, das, Bordeaux hört es nicht gerne, in der Spitze locker mithalten kann. In der Konstanz über mehrere Jahrzehnte hinweg gesehen, ohnehin.

 

FLIGHT 8

Wir wechselten die Location und den Jahrgang, nämlich nach Bordeaux und 10 Jahre zurück in den Jahrgang 1982. Was frappierend war: Zwischen dem Jahrgang 1992 der Kalifornier und dem Jahrgang 1982 der Bordeaux liegen nur 10 Jahre, aromatisch aber mindestens 20 Jahre und dies obwohl wir sehr jugendliche Magnums hatten. Zum Finale nämlich gab es Bordeaux 1982 aus der 1,5 Liter mit einem 82er Piraten aus Kalifornien, wobei angemerkt sei, dass 1982 in Kalifornien kein einfaches Jahr war. Der 1982 Grand Puy Lacoste ist eigentlich angesichts der hohen Parker Bewertung von 96 Punkten kein Geheimtipp mehr. Trotzdem ist dieser Wein noch bezahlbar und offeriert einen derart phänomenalen und komplexen Trinkspaß, dass er jede Sünde wert ist. Unsere Magnum allerdings zeigte sich deutlich jünger als Eintelflaschen, die wir unlängst tranken. Enorme Dichte und Konzentration, reife Noten von Cassis und Beeren gepaart mit Mineralik und Terroirnoten machen diesen Wein zu einem grandiosen 82er, wie gesagt, für noch bezahlbares Geld. Der 1982 Gruaud Larose ist einer unserer Lieblings-82er. Dieser St. Julien ist derart opulent und süß, weich, reif und cremig, dass jedem Bordeauxfreak die Spucke im Mund zusammenläuft, liest er nur das Etikett. Bis auf Latour kann diesem 82er ohnehin kein Premier Cru das Wasser reichen. Aber auch diese Magnum zeigte deutlich mehr Jugend als Einzelflaschen, leider war es unsere letzte 1,5 Literflasche. Grandios war dieser Wein trotzdem. Dann kam ein Wein, der uns im vergangenen Jahr in Kalifornien blind gegen 1982 Pichon Lalande und 1982 Evangile serviert wurde, und den wir als 10 Jahre jünger sahen, der 1982 Dunn Howell Mountain. Wir erinnern uns noch, als wir zu den Anfängen unseres Weinbusiness alte Dunns kauften und diese für untrinkbar erklärten, verkauften, oder in die letzten Kellerecken verbannten. Jede Flasche, die wir verkauften, mussten wir mittlerweile teuer wiedererwerben. Dunn ist ein extremer Langsam-entwickler, insbesondere der Howell Mountain benötigt locker 20-30 Jahre. Was dann aber kommt, ist irre. Nicht ohne Grund sieht Parker, und sah dies 1992 im Gegensatz zu uns als damalige Neu-Einsteiger bereits den 82er Howell Mountain auf 95 Punkte Niveau. Im Vergleich zu den beiden 82er Bordeaux allerdings war der Dunn immer noch deutlich zu jung. Blind ist dieser Wein ohnehin nicht zuzuordnen. Schwarze Pflaumen, Brombeeren, dabei enorm kompakt, dicht und maskulin. Super Mineralik und Komplexität. Das ist eine Wuchtbrumme von einem 82er, der nochmals zwei bis drei Jahre benötigt um so richtig Spaß zu machen.

Der Rehrücken mit Orange und Feigenravioli half mit seiner Cremigkeit, noch etwas mehr aus allen Weinen heraus zu kitzeln

 

FLIGHT 9

Wir hatten noch Großes vor zu unserem Comte, den wir erstmalig als 60-Monate und 36 Monate Reife-Version servierten. Dank unserer besten Beziehungen zu Toro Albala erhielten wir Vorab-Füllungen der Jahrgänge 1929 und 1931. Sie erinnern sich, den mit 100 Punkten von Parker bewerteten 1946er hatten wir ja bereits einmal. Der Jahrgang 1931 wurde erst unlängst abgefüllt, Toro Albala sieht den 31er als einer der besten, den sie jemals produzierten, deshalb war auch noch ein Vorablabel auf der Flasche. So war der 31er auch nochmals exotischer als der 1929er, dichter, cremiger und irrer. Diese Weine zu beschreiben, ist, wie ein euphorisches Erlebnis im Leben in Worte zu fassen, schwer möglich. Stellt man sich eine Mischung aus uraltem Portwein, Sherry, Honig, Sauternes, altem Balsamico und deutscher TBA vor, dann beschreibt es das Aromenprofil ansatzweise. Mit mehreren 100 Gramm Restzucker, Säure, Süße und Exotik hat man eine Explosion am Gaumen, die man erlebt haben muss. Zum Comte der Hammer!
Zu den Weihnachtsplatzerl und dem Stollen kam dann noch der 25 jährige Aceto Balsamico extra vecchio, eine tolle, wie beeindruckende Kombination und ein genialer Abschluss eines Weinabends in äusserst netter Runde.
Zum Abschluss noch ein ganz herzliches Dankeschön an unsere Gäste, dass Sie uns das Vertrauen geschenkt haben. Danke an unseren Partner AMG Mercedes für den überragenden Shuttle-Service, an Sarah Adler und Andreas Wachter für den unermüdlichen Einsatz, an unseren Caterer Prinzipal nebst der charmanten Damen im Service. Und last but not least an Bacchus für das uns bescherte Flaschenglück, wir hatten keinen einzigen Ausfall!

Am 10.12.2016 gibt es die Fortführung. Ein Flight steht schon, Sie werden Jahre später stolz sein, dabei gewesen zu sein...