Geschmack
Jetzt geht es zum aufregenden Teil der Weinverkostung: der Geschmack. Bei dieser Phase werden verschiedene Aspekte des Weins nacheinander betrachtet. Zunächst wird der Wein geschlürft, um ihn dann eine Weile im Mund zu behalten. Währenddessen wird er mehrfach mit der Zunge "durchgekaut", um die vielschichtigen Aromen und Geschmacksnuancen vollständig zu erfassen. Abschließend wird der Wein in der Regel ausgespuckt, um eine objektive Bewertung mehrerer Weine hintereinander zu ermöglichen.
Die Grundfrage nach trocken oder nicht trocken lässt sich meist recht einfach klären. Anschließend rückt der Säuregehalt des Weines in den Fokus: Ist dieser eher niedrig oder hoch? Harmoniert die Säure gut mit den anderen Geschmackskomponenten, oder wirkt sie möglicherweise spitz und aggressiv? Der Säuregehalt lässt sich besonders gut an den Seiten der Zunge feststellen, wo sich ein leicht pelziges Gefühl einstellen kann, was auf einen höheren Säuregehalt hindeutet.
Bei Rotweinen widmet man sich dann den Tanninen oder Gerbstoffen. Sind diese eher schwach oder stark ausgeprägt? Führt der Wein zu einem zusammenziehenden, pelzigen oder gar austrocknenden Gefühl im Mund, ist dies ein Indiz für einen hohen Tanningehalt. Tannine finden sich in den Schalen, Kernen und Stielen der Trauben. Bei roten Trauben sind sie in der Regel stärker vertreten, was die Tannine bei Rotweinen deutlicher hervortreten lässt. Auch der Ausbau in Holzfässern kann zur Bildung von Tanninen beitragen. Generell verleihen Tannine dem Wein Struktur und ein gutes Lagerpotenzial, da sie Sauerstoff binden und so die Aromen im Wein konservieren.
Eine Auflistung der Geschmackskriterien:
Süßegrad: kann von trocken über halbtrocken und halbsüß bis hin zu süß und üppig süß variieren.
Säuregrad: reicht von niedrig, mild, über mittel bis hin zu markant, rassig, spitz und aggressiv.
Tanningehalt: zeigt sich in Abstufungen von wenig, dezent, mittel, fest, gerbstoffreich bis hin zu adstringierend, was ein Austrocknen und Zusammenziehen der Mundschleimhaut sowie ein pelziges Gefühl auf der Zunge bewirkt.
Alkohol: kann von leicht über mittel bis kraftvoll und brandig reichen.
Intensität: wird beschrieben als gering, dezent, mittel, ausgeprägt bis aufdringlich.
Abgang: kann als kurz, mittel oder lang eingestuft werden.
Diese Kriterien helfen dabei, einen Wein in seiner Gesamtheit zu beurteilen und seine Charakteristika besser zu verstehen.